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02.11.2010
Dr. Thomas Randhofer

Dr. Thomas Randhofer

Diplom - Psychologe
Karlstrasse 34
53604 Bad Honnef



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Telefax :

Ethik in der Personalauswahl

Man bekommt einen Telefonanruf vom Berater: Sie sind interessant, kommen Sie doch zu unserem Auswahlverfahren. Wir machen ein wenig Psychometrie - und dann sehen wir.

So gerüstet kommt man am Tag X Stunde Null in einen Raum, in dem dann ein sogenanntes "Meßverfahren" durchgeführt wird. Das Ganze ist weder transparent gestaltet (mögen Sie vielleicht oben offene Vierecke lieber als geschlossene Kreise?) noch hat dies irgend etwas mit der zukünftigen Zielposition zu tun. Aber noch örger: der Berater kennt die im Raum Anwesenden nur vom Telefon und von den Bewerbungsunterlagen her.

Hier handelt es sich um einen typischen Fall von schnell verdientem Geld. Einiges davon geht aber gar nicht:

Um dieselbe Position konkurrierende Bewerber werden zusammengebracht. Hier gelten keine Sperrvermerke - und was ist, wenn man sich zufällig aus Arbeitskreisen kennt und seine Bewerbungsabsicht verdeckt halten möchte? Peinlich!

Das Unternehmen stimmt der Duchführung eines solchen Meßverfahrens (bewußt wird es nicht Testverfahren genannt, weil es den gängigen Gütekriterien nicht Stand halten würde) zu - in welche Kultur kommt man dort hinein?

Es haben vorher keine face-to-face-interviews stattgefunden. Leicht für den Berater, der eine bestimmte Zahl von Kandidaten präsentiern möchte und sich die differenzierte Vorauswahl gespart hat. Hier wird der Bewerberwunsch nach einem neuen Job überstrapaziert: ob eine Passung zum neuen Unternehmen vorhanden ist kann nach dem Interview festgestellt werden, und das fragwürdige Verfahren kann man sich sparen.

Anscheinend herrscht bei der Personalauswahl immer noch der Grundgedanke: das Unternehmen wählt aus. Das ist irrig. Auch Bewerber wählen aus. Und in Zukunft immer mehr. Daher die Empfehlung: Ein Unternehmen, das so unsensibel mit seinen potenziellen Mitarbeitern umgeht, das ethische Grundwerte derartig ignoriert, sollte für die Bewerber nicht das Unternehmen der Wahl sein. Denn wenn schon in einem frühen Stadium das Miteinander derartig gestaltet wird…wie schlimm ist es dann um die Unternehmenskultur in der Arbeitswirklichkeit bestellt?

 


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